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Auf Du und Du mit der Natur
Reisebericht
Jungfrau, neutral zwischen zwei Nationen Nationalhymne Andorra
Sarkozy, der Bischof und Juan Carlos Jeder kennt das Fürstentum Andorra beim Namen, doch schon auf der Landkarte geografisch richtig einzuordnen, stellt für den Besucher eine Herausforderung dar. In den Pyrenäen, zwischen Frankreich und Spanien gezwängt, galt das kleine Land als Hinterwäldlerprovinz. Das hat sich in der Zwischenzeit geändert. Das Fürstentum mit Sarkozy und dem Bischof von Spanien als Doppelregenten, hat sich zu einem Ski- Mekka gemausert, in dem selbst König Juan Carlos die Pisten hinunter wedelt. Die Hauptattraktion der Pyrenäen ist die Natur selbst. Die Berge, mit ihren beeindruckenden Gipfeln, streben bis über 3000 m dem Himmel entgegen und besitzen eine Vielfalt an Fauna und Flora wie selten. Abseits der Geschäfte und Banken in der Hauptstadt, findet man Ruhe und Erholung in der Natur.
Bergromantik mit Bohneneintopf Diese Gebirgsidylle lockt jedes Jahr Naturfreunde an, die das Fürstentum für sich entdecken wollen. Die kleinen, gemauerten Bogenbrücken über die reißenden Wildbäche Andorras sind ebenso architektonische Wahrzeichen des Landes, wie die uralten romanischen Kirchen, die als weltweit selten dastehende Beispiele der Bergromanik gelten. Zwischendurch immer wieder die Cortals, ehemalige Scheunen, die zu attraktiven Berggasthäusern umfunktioniert wurden. Als Stärkung bei einer Besichtigungstour in den Tälern Andorras sollte man unbedingt den Eintopf aus Bohnen, Kartoffeln, Speck, Schinken und Würsten probieren. Dann locken wieder die dichten Wälder, schroffen Felswände, ausgedehnten Bergwiesen und kristallklare Flüsse, wie der Gebirgsbach, der schon seit ewigen Zeiten bei Ordino ins Tal stürzt. Nur Museen erinnern hier noch an das "industrielle" Zeitalter Andorras, als Eisenhütten wenigen Familien, wie die der von Areny Plandolit, zu Reichtum verhalfen. Das Museum gibt einen guten Einblick in das Leben vergangener Tage. Die Energie dieser Bergwelt ist damals wie heute geradezu berauschend.
Vom Murmeltier bis zum Bergadler Grillen zirpen, Schafe blöken, man genießt die Sonne, Orte und ungeahnte Panorama-Aussichten. Das "Tal der Träume" ist so ein Beispiel. Dieses Naturschutzgebiet ist nur zu Fuß oder mit der nostalgischen Zahnradbahn zu erreichen. Auf dieser beeindruckenden Fahrt passiert man tosende Wasserfälle, rauschende Flüsse und noch intakte Wälder. Wer Glück und ein Fernglas dabei hat, kann sogar Gämse oder Adler entdecken. Die Bahn bewältigt dabei in ca. 45 Minuten einen Aufstieg von 1059 Metern. Aus der alten Einsiedelei eines Benediktiners ist ein ansehnliches Kloster geworden, das viele Pilger und Wanderer besuchen. Malerisch auch der grün schimmernde Stausee, der sich vor dem Kloster befindet. Spaziergänge, Ruderboote oder Kaffee und Kuchen sind gute Wahlmöglichkeiten in diesem nahezu baumfreien Gebiet auf knapp 2000 Metern Höhe. Mit dem Sessellift geht es fast auf die umliegenden Gipfel, von denen man eine grandiose Sicht über die Pyrenäen hat.
Madonna mit 50 Chorknaben Ganz am Rande, schon in Spanien gelegen, steht ein anderes Kloster auf einem alleinstehenden Berg, der schon von über 100 km Entfernung gesehen werden kann. Das berühmte Kloster Montserrat schmiegt sich in die Felsen. Hier soll zwei Hirten eine schwarzhäutige Muttergottes erschienen sein. Von dem Benediktinerkloster hat man einen grandiosen Ausblick, bei gutem Wetter bis Barcelona. Ebenso grandios sind die gregorianischen Gesänge von rund 50 Chorknaben, die täglich zu Ehren der über dem Hochaltar thronenden Madonna die Klostermauern mit ihren schönen Stimmen erfüllen. 80 Mönche leben heute noch hier, richten ihren Alltag nach traditionellen Regeln aus dem 6. Jahrhundert aus und verleihen dem erstmals im Jahr 888 erwähnten Kloster einen altertümlich lebendigen Charme. Sehenswert auch das Museum des Klosters, in dem Werke berühmter Maler wie Dalí, El Greco oder Giordano ausgestellt sind. Ein Wanderweg führt aktive Besucher auf den 300 m höher gelegenen Gipfel. Ansonsten kann man den Wallfahrtsort genießen, den schon Kolumbus, Cervantes, Humboldt und Ludwig XIV besucht haben.
Der Luxus und die Natur Nach so viel Sakralem lüstet das Herz nach Kommerz, sagen sich wöchentlich tausende Spanier und Franzosen, die in die Hauptstadt Andorras, nach Andorra la Vella einfallen und die Straßen verstopfen. Der Grund sind die in den Schaufenstern steuerfreien goldenen Uhren, Gucci-Handtaschen und Dior-Sonnenbrillen, die um die Gunst der Käufer buhlen. Das Steuerparadies ist ein regelrechtes Einkaufsparadies. In 3000 Geschäften lassen Touristen sehr viel Geld für Luxusartikel, Gold, Kosmetika, Bekleidung, Spirituosen und Tabak und Andorra zum Schnäppchenparadies werden. Eine gute Begleiterscheinung für einen Urlaub, doch Shopping Malls gibt es hierzulande auch, so dass immer noch die unverfälschte Natur bei einer Reise in das Fürstentum Andorra im Vordergrund stehen sollte. |
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