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Baltikum - Traumhafte Erlebnisse

Reisebericht

Ännchen von Tharau
Volkslied


Landschaft und Geschichte

Deutsches Erbgut
Trotz Beitritt der Baltikum-Staaten zur EU ist die kultur- und naturreiche Region für viele Europäer noch eine große Unbekannte geblieben, leider. Als Einstieg in das Baltikum ist Litauen ideal. Klaipeda z.B. ist eine beschauliche Stadt mit sehenswerten Fachwerkhäusern, die noch altes, deutsches "Erbgut" darstellen und daher für das Baltikum eher ungewöhnlich sind. Erste Anlaufstelle der meisten Touristen ist natürlich der Theaterplatz mit dem berühmten "Ännchen von Tharau-Brunnen". Schon seit dem Hochmittelalter war Memel, wie sich Klaipeda früher nannte, Vorposten preußischer Herzöge, Könige und Kaiser. Die Ordensburg der Kreuzritter musste so manchen Krieg und Herrschaft über sich ergehen lassen. Von der ehemals stolzen Burg ist nur noch ein kleiner Hügel zu sehen und von der düsteren Zeit nichts mehr zu spüren. Das bunte und fröhliche Leben spielt sich in den restaurierten Häusern in und um die Altstadt ab. Vor allem am Ufer der Denge herrscht ein buntes Treiben mit Musikbands, Tretbootfahrern und Spaziergängern, die sich hier amüsieren. Unzählige Straßenstände bieten das Gold der Ostsee, Bernstein in allen Größen und Variationen feil. Kaum vorstellbar, dass dieser Teil noch vor wenigen Jahren ein abgeriegelter Teil der Sowjetunion war. Überreste vergangener Zeiten findet man eher in der zweitgrößten Stadt Litauens, Kaunas. Schon immer ungehorsam gegenüber den großen Machthabern, hat sich Kaunas wieder zu einer modernen Universitätsstadt entwickelt. Die gotische Architektur, vor allem das Perunas-Haus, die alten Festungsmauern und eine Fülle an attraktiven Museen, sind nur einige Möglichkeiten, die ehemalige Hansestadt auf unterschiedliche Art und Weise kennen zu lernen. Unverzichtbar ist jedoch ein Bummel über die Allee der Freiheit, Zentrum und Hauptstraße der ehemaligen Hauptstadt Litauens mit unzähligen Cafés, Boutiquen und kleinen Fachgeschäften.

Märchenschloss in Litauen
Von hier, zu der wohl beliebtesten Sehenswürdigkeit Litauens, ist es nicht weit, nur 28 km von Vilnius entfernt, liegt Trakai. Die mittelalterliche Hauptstadt Litauens war im 14. und 15. Jahrhundert Residenz der litauischen Großfürsten. Vier malerische Seen umschließen die aus Backstein gebaute, gotische Wasserburg. In der einzigen, noch erhaltenen Wasserburg Osteuropas mit ihren mächtigen, roten Wehrtürmen, ist heute ein Museum untergebracht. Die Restauratoren haben sich große Mühe gegeben, die historischen Räume originalgetreu zu rekonstruieren. Die mittelalterliche Anlage mit der an schweren Eisenketten befestigten Zugbrücke, den geschmiedeten Toren, Holzgalerien und unzähligen kleinen und großen Türmen lockt Touristen aus ganz Europa an.

Bummel durch die Stil- Epochen
Vom Mittelalter zur Moderne, so könnte man die Reise von Vilnius nach Riga bezeichnen. Gegenüber der historischen Altstadt, die einst von Bremer Kaufleuten gegründet wurde, plant man die neue Skyline der aufstrebenden Stadt mit Konzerthalle und der Nationalbibliothek Lettlands. Die größte Stadt des Baltikums hat sich in den letzten Jahren gemausert. Reichtum wird hier, wie in der Sowjetunion, offen gezeigt, was sich auch in den Preisen der Cafés und Restaurants widerspiegelt. Kein Wunder, denn zwei Drittel der Bevölkerung sind russischer Abstammung. In der sehenswerten Altstadt prägt der Jugendstil nach wie vor die charmante Architektur. 1856 ließ der Zar die Stadtfestung abtragen und breite Boulevards mit prachtvollen Häusern im Art-nouveau-Stil anlegen. Ein eindrucksvoller Bummel durch die Stil-Epochen vergangener Zeiten vom Dom mit seiner viertgrößten Orgel der Welt, bis zu dem turbulenten Treiben des Zentralmarktes kann man gut zu Fuß erkunden. Fantastisch ist die Aussicht am Abend von der Skylinebar aus, im 26. Stock des Hotels "Latvija". Auf gemütlichen Sesseln einen Caipirinha nippend, genießt man den Blick auf das Panorama und die Lichter der boomenden Stadt.

Baden wie zur Zeit des Zaren
Vom turbulenten Nachtleben der Stadt erholen sich die Letten in Jurmala, der lettischen Riviera. Imposante Villen und ein sauberer, endloser Strand macht seit der Jahrhundertwende Jurmala zu einem der exklusivsten Ostseebäder im ganzen Baltikum. Viele russische "Neureiche" haben hier investiert und nutzen die Sommermonate für erholsame Wochenenden in einer der schönen, romantischen 4000 Holzdatschen im angrenzenden Föhrenwald.
So imposant das Ostseebad auch sein mag, an Schönheit und Glanz ist das Barockschloss mit seinem imposanten Park in Rundale nicht zu überbieten. Erbaut wurde Schloss Rundale als Sommerresidenz für den kurländischen Adligen Ernst Johann von Biron. Nicht zu Unrecht wird die prächtige Anlage von zahlreichen Besuchern als das "Versailles des Baltikums" bezeichnet. Das Schloss ist in jüngster Zeit um eine Attraktion reicher. In den letzten Jahren bepflanzten die Gärtner den Park der Barock-Anlage im Stil des 18. Jahrhunderts. Eine solch arbeitsintensive Gartenidylle ist in Europa nur noch selten zu finden. Zwischen den Lindenalleen verbergen sich ein ausgewachsenes grünes Amphitheater, holländische Tulpenbeete, Fliedergewächse und am Rande, am Gartenhaus, ein Picknick-Gelände zwischen englisch wild gedeihenden Blüten und getrimmten Sträuchern.

Kann sich die New York Times irren?
Nein, Estlands Hauptstadt Tallinn ist eine der angesagtesten und innovativsten Städte Europas - Mittelalter gibt es aber auch. Von Dänen und Deutschen erobert, hatten später die Schweden und der Zar das Sagen. Er errichtete die riesige Newski-Kathedrale, die noch heute mit ihren Zwiebeltürmen das Stadtbild bestimmt. Wer die Stadtmauer mit den Wehrtürmen wie der "Dicken Margarethe" entlang flaniert, fühlt sich in die Vergangenheit zurückversetzt - oder wie im Freilichtmu- seum. Alle Wege enden irgendwann auf dem Raekoja Plats mit dem imposanten spätgotischen Rathaus, an dessen Mauern noch ein Pranger befestigt ist. An der Nordseite des Platzes verkauft die Raeapteek seit 1422 Medikamente - und ist damit die älteste Apotheke Europas. Beinahe jeder Stein der Altstadt erzählt seine eigene, uralte Geschichte, so dass sich ein Wiederkommen auf jeden Fall lohnt.

Glaube und Freiheit
Ebenfalls zu einer echten Entdeckung kann auch der Besuch von Siauliai und dem Berg der Kreuze werden. Eine der ersten Sehenswürdigkeiten, die die meisten Touristen kennenlernen, ist die majestätische Kathedrale Peter und Paul mit ihrem mächtigen 70-Meter hohen Turm. Nur 12 km entfernt befindet sich das Symbol des Kampfes der Litauer für Glauben und Freiheit, der Berg der Kreuze. Seit 1988 ist der Berg der Kreuze nicht nur wieder Eigentum von Litauen, sondern auch Weltkulturerbe. Nun wurden bereits über einhunderttausend verschiedenster Kruzifixe, Gebetstöcke und Betsäulen mit den, auf ihnen aufgehängten Rosenkränzen auf dem Berg der Kreuze gezählt.

Sand, Sand und Himmel
Man glaubt, in der Sahara zu sein, beschrieb schon Thomas Mann sein Sommerdomizil in Litauen. Die Hohe Düne auf der Kurischen Nehrung ist eine der größten Europas, die Halbinsel selber in ihrer Art einzigartig. Entstanden ist das Phänomen durch Menschenhand: Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde der ursprüngliche Wald aus Eichen, Linden, Birken und Fichten abgeholzt, und damit kam das ökologische Gleichgewicht ins Wanken. Die Dünen begannen zu wandern und begruben da im Laufe der Zeit 14 Dörfer. Wie Nidda erstrahlen auch die Badeorte Smyltine (Sandkrug), Juodkranté (Schwarzort) und Pervalka (Perwelk) im neuen Glanz. Auf neu angelegten Strandpromenaden flanieren Urlauber und Tagesausflügler. Gebadet wird sowohl im ruhigen Haff, als auch in der wellenbewegten Ostsee. Der Weg zum Strand ist nirgendwo besonders weit. Ein Traumreiseziel direkt vor unserer Haustür.
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